Weltwärts gen Tansania

- Oliver Wichert

Business as usual

Samstag, 23. Oktober 2010



Schon wieder ist eine „Arbeitswoche“ hier in Omurushaka vorüber, die Zeit vergeht wie im Flug!
Von meiner Arbeit gibt es immer noch nichts neues, ich helfe den Angestellten von CHEMA bei allen möglichen Computer Problemen, bin aber auch viel im Office.
Trotzdem kommt keine Langeweile auf, ich verbringe viel Zeit mit den Aufgaben für den Bundeswettbewerb Informatik, schreibe Emails, überlege mir was ich kochen will usw.

Von Mittwoch auf Donnerstag hat ein Priester bei mir übernachtet, der wohl seit der Gründungszeit von CHEMA (Alles hat mit ein paar Baumschulen angefangen) mit dabei ist und wohl die Kooperation mit Freiwilligen aus Europa eingeführt hat. Er arbeitet bei einer anderen Zweigstelle von CHEMA und war hier um an einer Art übergreifenden CHEMA-Konferenz teilzunehmen.
Am Donnerstag wurde mein Büroalltag dann etwas früher als gewohnt beendet. Schon um vier meinte der Priester ich müsse mal etwas anderes sehen und er wolle mich ein paar Leuten vorstellen.
So ging es los, erst in eine Art Kneipe, wo diverse Leute zu uns stießen von denen zum Glück auch einige Englisch konnten, dann weiter zur Familie eines anderen Priesters wo wir auch sehr herzlich empfangen wurden.
Die Gastfreundschaft hier ist wirklich bemerkenswert. Wir wurden überschwänglich empfangen, es gab Kaffeebohnen zu kaufen, Bananenbier, Schnaps aber auch Cola zu trinken und viel zu lachen.
Zum Abend hin gings dann noch in einem sehr netten Pub wo unsere etwa anfangs vier, am Ende acht Menschen fassenden Gruppe jedoch die einzigen Gäste waren. Es gibt halt kein Geld zum Feiern...
Ich habe das Gefühl die einzigen die Geld haben sind die ganzen hohen Tiere der Kirche und kirchlichen NGOs (wie auch CHEMA). Diese Leuten scheinen einen elitären Kreis zu bilden, haben verhältnismäßig viel Geld, waren praktisch alle schon ein paar Mal in Europa, sind einigermaßen gebildet oder auch einfach nur wichtig.

Der Abend war trotzdem ganz nett, vor allem mit einem Kollegen des Priesters konnte man sich gut unterhalten und er schien viele Probleme der Region verstanden zu haben.




Ansonsten bin ich weiterhin im Haushalt eingespannt, die Zimmer werden sauberer, der Pürierstab leider nur ein wenig heiler, die Kuchen und Brote immer besser...

Es wird jedenfalls nicht langweilig und ich denke dass ich in ein paar Wochen auch von der Arbeit mehr zu berichten haben werde. Sowohl mein Chef als auch der Priester meinten dass ich auf jeden Fall auch noch viel „fieldwork“ machen werde und wenn ich mit dem Informatik-Krams einigermaßen durch bin werde ich Herrn Kileo nochmal drauf ansprechen.

Backe Backe Kuchen

Freitag, 15. Oktober 2010



sieht ja garnicht so schlecht aus!

allerdings hat der Thermostat meines Ofens wohl ein kleines Problem und das Ding wurde wohl eher bei 260 als 160 Grad gebacken...
Vom Geschmack her prinzipiell ziemlich gut (Es ist Apfelkuchen!) aber irgendwas fehlt - werd ich schon noch rausfinden!
Aber ist auf jeden Fall ein ausbaufähiges Rezept das beweist, dass ich nicht ein Jahr auf Kuchen verzichten muss, auch ohne Butter und Vanillezucker!:=)
Und nach der gestrigen Waschaktion ist mal wieder ein bisschen Küche schon fast ne willkommene Abwechslung!


Der 14.10. ist in Tansania ein gesetzlicher Feiertag, der Todestag von Nyerere. So hatte ich gestern frei und konnte in der noch angenehm kühlen Morgenluft erstmal in Ruhe ein längeres Läufchen einlegen. Das Laufen hier ist so eine Sache, meistens ist es recht warm, es wird früh dunkel und man muss vor den Moskitos fliehen. Dennoch war ich jetzt schon oft laufen hier und seitdem ich einen Weg abseits der großen Straßen gefunden habe macht es auch richtig Spaß. Die 1500m Höhe merkt man schon, was das ganze aber besonders anstrengendend macht ist die hügelige Landschaft. Aber kein Problem, die Zeiten werden ein bisschen nach unten korrigiert und wenn ich das Programm durchhalte werde ich in Deutschland top-fit sein!

Endlich Urlaub!

Montag, 11. Oktober 2010
Gerade zwei Wochen gearbeitet und schon urlaubsreif? So anstrengend war die Arbeit bei CHEMA bis jetzt nun wirklich nicht.
Dennoch war das Wochenende in Saus und Braus, welches wir uns in Bukoba gegönnt haben, sehr erholsam.
Unter der Woche hatte ich wie schon zuvor sehr viel Zeit in der Küche verbracht, Brot backen, das erste mal Fleisch zubereiten und Unmengen an Gemüse schnippeln.
Obwohl die Mühe sich meistens gelohnt hat, war die Vorfreude auf all die westlichen Köstlichkeiten die es in Bukoba geben sollte riesig!

Am Freitag Abend hatten uns die Däninnen zum Essen eingeladen. Sie führten uns durch das Krankenhaus, was zwar sehr interessant aber auch ziemlich deprimierend war.
Es ist ein relativ großes Krankenhaus, was wohl ein sehr großes Gebiet versorgen muss. Ist man krank, muss man zunächst in einem Art Warteraum Platz nehmen, egal was man hat. Dann wird man einem „Medical Officer“ vorgestellt, der entscheidet was zu tun ist. Diese sind nach nur 3 Jahren Ausbildung ihrer Aufgabe nach europäischen Maßstäben natürlich überhaupt nicht gewachsen, nur die wirklich schweren Fälle werden von einem „richtigen“ Arzt beurteilt. Da dieser aber auch doppelt so viel kostet wie der Medical Officer bleibt das die absolute Ausnahme, denn für seine Behandlung muss jeder selbst zahlen. Nicht im Preis enthalten ist Essen, selbst wenn man im Krankenhaus liegt muss man sich selbst etwas besorgen oder das Glück haben, dass Verwandte mitgekommen sind.
Das Krankenhaus ist nach Krankheiten geordnet und es gibt einen Trakt wohin alles besonders ansteckende abgeschoben wird...




Aber nun wieder zu den erfreulicheren Dingen, endlich geht´s nach Bukoba! Obwohl halt, man darf die Anreise im „Dalla-Dalla“ nicht vergessen. Knapp drei Stunden Fahrt mit etwa 25 Leuten in einem Kleinbus ungefähr so lang wie ein Sprinter sind dann doch alles andere als angenehm. Man konnte sich keinen Millimeter bewegen und es tat einfach nur weh.



Doch dann standen wir im Supermarkt. Haferflocken, Cornflakes, Snickers, Putzmittel, Vollkornmehl - wir rafften soviel wir tragen konnten. Glücklich gings zu unserem Luxushotel und zum Mittagessen an den herrlichen Strand des Viktoriasees.
Super schöner, „quietschender“ Sand, Wasser und Wind, wunderschön! Schade nur dass wir aufgrund der Billharziose-Gefahr lieber nicht in das einladende Nass gestiegen sind...




Am Abend konnten wir dann nochmal richtig was erleben. Wir hatten laute Musik in der Nähe unseres Hotels gehört und wollten mal nachsehen was da los ist. Es stellte sich heraus dass es sich um eine riesige tansanische Hochzeit handelte! Als wir vorm Eingang standen wurden wir sofort hereingebeten und herzlich willkommen geheißen, sodass wir uns wie die mindestens 300 anderen Gäste an einen der Tische setzen und dem Spektakel zusahen. Es wurde in kitschigster Atmosphäre ausgelassen gefeiert und gutes tansanisches Essen genossen - der Abend war ein voller Erfolg und die Zweifel ob es wohl in Ordnung sei sich am Buffet anzustellen wurden von den gastfreundlichen Tansaniern schnell erstickt.

Am nächsten Morgen freuten wir uns trotz vollen Magens sehr auf das Frühstück was wie erwartet super war!
Dann schauten wir uns den winzigen Hafen an und aßen endlich mal wieder viel und lecker...

Nach diesem tollen Wochenende fällt es einem fast sich wieder mit dem afrikanischen Essen abzufinden, an das man sich schon so gut gewöhnt hatte.
Und schon gehts wieder in die Küche, wäre doch gelacht wenn man diese gefüllten Gemüsepfannkuchen nicht auch selbst hinbekäme...

Hakuna maji

Sonntag, 3. Oktober 2010



Schon nach nur 5 Arbeitstagen fühle ich mich, als wäre ich schon ewig hier gewesen. Man kennt die Straßen, den Markt, seine Kollegen, sein Haus und die Nachbarorte.
Außerdem ist in den ersten Tagen hier auch schon ziemlich viel passiert.

Meine Arbeit war die ersten Tage recht ruhig, ich habe mich bis jetzt eigentlich nur mit IT beschäftigt. So werde ich immer wieder bei Problemen geholt, habe zwischendurch aber auch immer wieder Zeit für mich in meinem Büro, die ich zum lernen, kommunizieren oder Informatik Aufgaben machen nutzen kann.
Diese Zeit kann ich wirklich gut gebrauchen, da 40 Wochenstunden + Haushalt ohne Wasch- und Spülmaschine vor allem für einen Anfänger ziemlich anstrengend sind.



Aber ich will mich auf keinen Fall beklagen, im Moment bin ich schon sehr froh wenn ich fließend Wasser habe.
Vor 2 Tagen ist nämlich leider auch der schwache Wasserstrahl aus dem am tiefsten gelegenen Wasserhahn versiegt. Zum Glück ist hinterm Haus noch ein direkter Auslass aus dem Wassertank, doch auch dieses Rinnsal wurde heute morgen beim Wasser holen beängstigend klein.
So saßen wir heute Nachmittag auf der Terrasse und starrten hoffnungsvoll auf die dunklen Wolken, die die letzten Tage meistens trocken geblieben waren.
Als endlich die ersten Tropfen fielen war der Jubel groß und als der Regen richtig losging haben wir das Shampoo rausgeholt und unter einem Leck in der Regenrinne geduscht wie lange nicht mehr!
Leider hielt der Regen nicht besonders lange an, doch aus dem einen Wasserhahn kommt wieder ein bisschen Wasser und bei sehr sparsamer Nutzung bin ich bestimmt die nächsten 2-3 Tage versorgt.

Die erste Woche meiner Arbeit bestand jedoch nicht nur aus Büro und Haushaltssorgen. Am Donnerstag hat die Gemeinde hier 75jähriges Jubiläum (eigentlich 76. aber letztes Jahr war die Kirche noch nicht fertig renoviert...) gefeiert und ganz CHEMA war bei der riesigen Feier dabei. Es waren alle möglichen katholischen Priester und sonstige Würdenträger anwesend und es fand ein riesiger Gottesdienst im Freien statt. Da mein Chef schon zu Anfang meinte, dass ich jederzeit gehen könnte wenn ich genug habe, flüchtete ich nach knapp 2 Stunden vor der sengenden Mittagssonne.




Auch am Freitag gab es mehr als den täglichen Büroalltag zu erleben. Da ich nicht nur bei CHEMA helfen soll, hat Herr Kileo mich dem Bischof vorgestellt. Ich war schon erstaunt dass es in so einer abgelegenen Region überhaupt einen Bischof gibt, doch als Herr Kileo mir erzählte, dass das Bischofshaus direkt neben der Kathedrale sei, habe ich mich wirklich gewundert. Warum baut man hier eine Kathedrale und nicht vielleicht lieber ein paar Brunnen? Die Kathedrale wurde erst vor 2 Jahren fertiggestellt und auch wenn sie von der Größe her nach deutschen Maßstäben nicht mehr als eine normale Kirche wäre, hätte man mit dem Geld bestimmt ein paar Menschen zu gutem Trinkwasser verhelfen können. Naja was solls, der Bischof ist trotzdem ganz nett und es wird auf jeden Fall eine willkommene Abwechslung sein für ihn zu arbeiten.

Gestern haben Malin, Bastian und ich uns noch mit zwei dänischen Medizinstudentinnen getroffen, die für drei Monate bei uns im Krankenhaus arbeiten. Es ist hier alles so anders, dass es schon jetzt ganz nett war, sich mit ein paar Menschen aus ähnlichem Kulturkreis darüber auszutauschen. Die beiden waren sehr nett, sind aber leider nur noch zwei Monate hier.

Malin ist heute in sein eigenes Haus gezogen, sodass ich jetzt die erste Nacht alleine in meinen neuen vier Wänden verbringen werde.
Lala salama!
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