Weltwärts gen Tansania

- Oliver Wichert

Marathon

Sonntag, 27. Februar 2011



Ich hab ihn hinter mir, wenn auch nicht besonders erfolgreich!
Mit einer glorreichen Zeit von ungefähr 4:40 bin ich heute Mittag doch noch ins Ziel gekommen.
Morgens um halb sieben war Start und pünktlich zwei Minuten vorher war ich im Stadion.
Ich konnte von unserem Hotel (YMCA) aus zu Fuß hingehen und war guter Dinge. Die erste Hälfte lief auch ganz gut, ich bin meine Zeit gelaufen, hatte nette Gespräche mit meinen Leidensgenossen und es war noch kühl.
Doch nach gut 20 Kilometern wollte es nicht mehr so recht, es ging die nächsten 10 Kilometer bergauf und als ich die Höhenmeter auf den letzten 10 wieder herunterlaufen durfte, taten meine Beine schon so weh, dass das bergab Laufen keine große Hilfe mehr war.
Ich bin wohl am Anfang etwas schnell gelaufen und war vielleicht auch insgesamt noch nicht genug auf einen Marathon vorbereitet.
Aber ich glaube ich habe heute viel gelernt und kann irgendwann später nochmal um eine bessere Zeit laufen!

Ruanda

Donnerstag, 24. Februar 2011
Direkt nachdem wir das „Participatory Planning“ im dritten Dorf abgeschlossen hatten, ging es für mich nach Ruanda zum Zwischenseminar. Das weltwärts Programm sieht vor, dass man sich in der Mitte seines Freiwilligenjahres mit anderen Freiwilligen trifft und über die erste Hälfte sowie Änderungswünsche um das Jahr perfekt (oder erträglich, je nachdem) werden zu lassen, spricht.
So ging es für mich (und vier andere Freiwillige, die am Vorabend bei mir angekommen waren) nach Kigali, der Hauptstadt von Ruanda. Von dort aus machten wir uns mit fast allen anderen Seminarteilnehmern auf die etwa zweieinhalb Stunden lange Fahrt nach Butare.
Wir wohnten nett und das Seminar war sehr interessant, obwohl wir mit 17 Teilnehmern eine grenzwertig große Gruppe waren. Zunächst stellte jeder vor, was er so macht, sowohl auf der Arbeit als auch privat.
Am zweiten Tag wurde dann in Kleingruppen uns bewegende Themen diskutiert und vorgestellt.



Außerdem machten wir eine Wanderung durch den Regenwald, die allerdings wenig Platz für Gespräche bot, da die Strecke sehr anspruchsvoll war. Sich zwischen den teilweise riesigen Bäumen zu bewegen war sehr beeindruckend, auch wenn wir während der Wanderung keine größeren Tiere sahen.
Am letzten Tag sprachen wir noch über unsere Zufriedenheit und was wir ändern können, um mit dem Jahr im ganzen noch zufriedener zu sein.

Und schon ging es wieder nach Kigali, wo ich noch gut zwei Tage das Großstadtleben genossen habe. Palmen zwischen den Straßen, Hochhäuser, Supermärkte, Pizza und Burger essen, herrliche Cafés mit WLan und hervorragendem Kaffee - ein Paradies wenn man in Tansania wohnt. Und alles in einem so armen Land, welches sich hauptsächlich aus Entwicklungsgeldern finanziert.
Nach den zwei sehr netten Tagen war es aber auch genug, obwohl ich ein Großstadtmensch bin, habe ich mein Dorf mit dem übersichtlichen Markt und günstigen Früchten schon begonnen zu vermissen!
Frank, mein Betreuer von artefact aus Deutschland, der auch das Seminar geleitet hatte, wohnte für zwei Tage bei mir und wir hatten ein Gespräch mit meinem Chef. Mein Chef ist wohl sehr zufrieden mit mir und in der zweiten Hälfte wird es weitere Aufgaben geben, die meine Arbeit abwechslungsreicher gestalten können. Unter anderem ist geplant, dass ich Umweltclubs an Grundschulen machen soll, um auch diejenigen für Umweltthemen zu sensibilisieren, die nie eine Secondary School besuchen werden.

Erstmal sitze ich aber jetzt schon wieder im Bus, diesmal Richtung Osten. Am Sonntag ist Marathon in Moshi.
UPDATE: Hier sind die Fotos

Participatory Planning

Freitag, 4. Februar 2011



Heute ist der erste Bürotag seit mehr als einer Woche, Zeit mal wieder ein bisschen zu berichten! Die letzten Tage war ich in zwei verschiedenen Dörfern. CHEMA plant in diesen Dörfern Projekte durchzuführen und es ging zunächst einmal darum, zusammen mit den Dorfbewohnern die Probleme zu analysieren und zu gucken, wie man ihnen am besten helfen kann.
Dies hat meiner Ansicht nach erstaunlich gut funktioniert, wir hatten jeweils um die 50 „Schüler“, die meisten von ihnen haben gut mitgearbeitet und sind zu guten Ergebnissen gekommen. Auch von der pädagogischen Kompetenz unserer „Programme Officers“ war ich beeindruckt. In einem Land wo der Schulalltag normalerweise aus auswendig lernen und geprügelt werden besteht, ist eine funktionierende Diskussion keine Selbstverständlichkeit.




Die Probleme waren meistens sehr grundsätzlicher Natur und brachten einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Gefragt nach den Wünschen für ihr Dorf in 25 Jahren, kamen Antworten wie „sauberes Trinkwasser“, „genug zu Essen für alle“, „eine weiterführende Schule für unsere Kinder“, oder „Strom“. Vor allem eins der Dörfer war wirklich sehr abgelegen, man musste ungefähr eine halbe Stunde lang durchs Nichts fahren um es zu erreichen. Zwei mal haben wir sogar Affen auf dem Weg gesehen!




Ich habe versucht möglichst viel zu verstehen und ein wenig beim Basteln geholfen. Hauptsächlich habe ich aber dokumentiert, sodass es zum genauen Ablauf (hoffentlich nächste Woche) noch ein Video geben wird. Die Seminare waren zwar sehr anstrengend aber auch sehr interessant und mal etwas ganz anderes als die Arbeit hier in Omurushaka.

Am Wochenende waren wir wieder ordentlich Laufen, der Marathon naht! Die letzten Tage war es hier echt heiß (auch nachts), sodass wir Sonntag Morgen um halb sieben gestartet sind. Da Malin und ich nach dem Laufen gerne Massen an Bananenmilch trinken, habe ich mich am Samstag mal auf die Suche nach einer besseren Milchquelle gemacht. Bis jetzt habe ich die Milch immer in einer Art Restaurant gekauft, wo man morgens hingehen und Milch trinken oder auch mitnehmen kann. Aber die Milch ist teuer (50 ct. pro Liter) und oftmals angebrannt.
Am Samstag habe ich dann auch zufällig relativ bald einen Milchmann gefunden, der bereit war, mir frische Milch für 20 ct. pro Liter zu verkaufen. Er ist mit mir zu meinem Haus gekommen und hat mir die Milch gegeben.
Ich habe ihn gefragt, ob er ein Handy hat, was er bejahte, sodass ich vorschlug, dass ich doch in Zukunft Milch per SMS bestellen könnte. Da sieht man, dass ich mich doch noch nicht 100%ig eingelebt habe, von einem etwa 50jährigen Bauern kann man natürlich nicht erwarten, dass er lesen kann...
Zum Glück ist Analphabetismus hier nicht so stigmatisiert wie in Deutschland, sodass er mir frei von der Leber weg erzählte, dass er Probleme mit dem lesen habe. Also beschlossen wir, dass ich ihn anrufe, wenn ich Milch brauche, nachdem er mich angerufen hat (er hatte seine Nummer nicht da). Leider hat er mich nicht angerufen...
Also hab ich gestern bei einem anderen Bauernhof gefragt, mir wurde gesagt ich solle kurz warten und so konnte ich zuschauen wie meine Milch gemolken wurde. So muss das sein! Und da die Milch nun wirklich frisch ist, konnte ich noch vor dem Kochen den Rahm abschöpfen und einen herrlichen Schokokuchen backen - ein ziemlich guter Ersatz für richtige Schokolade.


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