Weltwärts gen Tansania

- Oliver Wichert

Heiße Weihnachten

23.12.2010 um 22.30: „Tutaondoka saa kumi na mbili“ heißt es, nachdem unser Bus auf den Busbahnhof einer tansanischen Kleinstadt gerollt ist, auf dem schon unheilvoll viele andere Busse standen. Das war es dann wohl, die Hoffnung Bukoba noch in der Nacht zu erreichen war leider vergebens, wir würden Heiligabend zunächst im Bus verbringen müssen.
Malin und ich waren morgens um sechs in Dar-es-Salaam losgefahren und unser Bus konnte leider nicht ansatzweise mit dem Luxusbus der uns auf der Hinfahrt kutschiert hatte mithalten. Um am heiligen Abend wenigstens einigermaßen fit zu sein entschieden wir uns, im Gegensatz zu den anderen Fahrgästen, nicht bis zur Weiterfahrt morgens um sechs im Bus zu warten, sondern uns eine Bleibe zu suchen, in der wir ein wenig Schlaf finden könnten.
Dies stellte sich als gute Entscheidung heraus, das nahe gelegene Guesthouse für gut einen Euro pro Person hatte saubere Zimmer mit Moskitonetz und Steckdose und als wir nach der etwas anstrengenden Busfahrt ins kuschelige Bett fielen, war der Frust über die verzögerte Weiterfahrt fast vergessen.




Um vier Uhr Nachmittags waren wir Heiligabend endlich zuhause. Den Speiseplan hatten wir schon im Bus ausgearbeitet, sodass wir uns, nach einem kurzen Abstecher zur Post, gleich ans Einkaufen machen konnten. Zusammen mit Bastian haben wir lecker gekocht, gegessen, Weihnachtslieder gehört und schließlich langsam und genüsslich unsere Weihnachtspakete ausgepackt. Obwohl es selbstverständlich ganz anders war als zuhause, war es ein sehr schöner Abend.




Am ersten Weihnachtstag war ich zu Pascals Eltern eingeladen. Nach einer Stunde Fahrt im Dalla-Dalla holte Pascal mich im Dorf ab und nachdem wir eine halbe Stunde durch herrliche Natur gewandert waren kamen wir bei der Hütte seiner Eltern an. Pascals Familie wohnt, wie man es aus afrikanischen Museen kennt: Eine Lehmhütte ohne Strom, Wasser wird vom See geholt und gekocht wird auf einem Drei-Steine-Herd.
Man sitzt und schläft auf Matten aus irgendwelchen Gräsern, Möbel gibt es so gut wie keine.
Zum Mittag gab es Reis mit etwas Rindfleisch. Obwohl das Rindfleisch hier unvorstellbar billig ist, können sich die wirklich armen Familien in den Dörfern das nur sehr selten leisten. Dennoch glaube ich, dass die Tatsache, dass es Fleisch gab, eher darauf zurückzuführen ist, dass ich zu Besuch war, als dass Weihnachten war.




Weihnachten wurde nämlich nicht ansatzweise gefeiert, nicht einmal die ganze Familie hat sich versammelt. Das einzige was ich von Weihnachten groß mitbekommen habe ist, dass die Menschen hier zu Weihnachten deutlich mehr Alkohol trinken - selbst mein Nachtwächter war Heilig Abend schon betrunken (wobei wir den Verdacht hegen, dass er nicht nur zu Weihnachten trinkt...). Pascals Vater hat eine Bar, in der er aus Mais und Hirse gegorenes Bier verkauft. Mais und Hirse werden mit Wasser zwei Tage lang in einem Eimer stehen gelassen, das ganze dann durch einen alten Sack ausgewrungen und das Resultat für fünf Cent pro Flasche verkauft. Ich war zu feige das zu probieren...




Am nächsten Morgen bin ich dann noch mit Pascal Feuerholz suchen gegangen und er hat mir die Felder seiner Eltern gezeigt. Wie fast überall hier werden Mais und Erbsen angebaut, ab und zu gibt es auch Bananen. Auch dies war extrem interessant, wenn auch wenig weihnachtlich.

Insofern war das Weihnachtsfest hier etwas enttäuschend, wobei die afrikanische Gastfreundschaft, die ich genießen durfte, über einiges hinwegtröstet. Es wurde sich geradezu rührend um mein Wohlergehen gesorgt und es war eine tolle Erfahrung einmal eine Nacht unter „wirklich afrikanischen“ Verhältnissen zu verbringen.

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Kommentare

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  1. Ernst Runge schreibt:

    Hallo Oliver,

    Mit Begeisterung lese ich jede Woche Ihren Bericht aus Tansania. Schade das Pascals Eltern ihre Erbsen nicht bei uns verkaufen können, hier kostet das Kilo ungepulte Erbsen wenn es denn welche gibt 8,95 Euro.
    Gepult bleiben nur ca. 600 g übrig.
    Viele Grüsse aus dem eiskalten München.
    Ernst Runge

  2. Ernst Runge schreibt:

    Hallo Oliver,
    Was ist los in OMURUSHAKA ?
    2 Wochen keine NEWS ?
    Gruss aus München
    Ernst Runge


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