Weltwärts gen Tansania

- Oliver Wichert

Participatory Planning




Heute ist der erste Bürotag seit mehr als einer Woche, Zeit mal wieder ein bisschen zu berichten! Die letzten Tage war ich in zwei verschiedenen Dörfern. CHEMA plant in diesen Dörfern Projekte durchzuführen und es ging zunächst einmal darum, zusammen mit den Dorfbewohnern die Probleme zu analysieren und zu gucken, wie man ihnen am besten helfen kann.
Dies hat meiner Ansicht nach erstaunlich gut funktioniert, wir hatten jeweils um die 50 „Schüler“, die meisten von ihnen haben gut mitgearbeitet und sind zu guten Ergebnissen gekommen. Auch von der pädagogischen Kompetenz unserer „Programme Officers“ war ich beeindruckt. In einem Land wo der Schulalltag normalerweise aus auswendig lernen und geprügelt werden besteht, ist eine funktionierende Diskussion keine Selbstverständlichkeit.




Die Probleme waren meistens sehr grundsätzlicher Natur und brachten einen auf den Boden der Tatsachen zurück. Gefragt nach den Wünschen für ihr Dorf in 25 Jahren, kamen Antworten wie „sauberes Trinkwasser“, „genug zu Essen für alle“, „eine weiterführende Schule für unsere Kinder“, oder „Strom“. Vor allem eins der Dörfer war wirklich sehr abgelegen, man musste ungefähr eine halbe Stunde lang durchs Nichts fahren um es zu erreichen. Zwei mal haben wir sogar Affen auf dem Weg gesehen!




Ich habe versucht möglichst viel zu verstehen und ein wenig beim Basteln geholfen. Hauptsächlich habe ich aber dokumentiert, sodass es zum genauen Ablauf (hoffentlich nächste Woche) noch ein Video geben wird. Die Seminare waren zwar sehr anstrengend aber auch sehr interessant und mal etwas ganz anderes als die Arbeit hier in Omurushaka.

Am Wochenende waren wir wieder ordentlich Laufen, der Marathon naht! Die letzten Tage war es hier echt heiß (auch nachts), sodass wir Sonntag Morgen um halb sieben gestartet sind. Da Malin und ich nach dem Laufen gerne Massen an Bananenmilch trinken, habe ich mich am Samstag mal auf die Suche nach einer besseren Milchquelle gemacht. Bis jetzt habe ich die Milch immer in einer Art Restaurant gekauft, wo man morgens hingehen und Milch trinken oder auch mitnehmen kann. Aber die Milch ist teuer (50 ct. pro Liter) und oftmals angebrannt.
Am Samstag habe ich dann auch zufällig relativ bald einen Milchmann gefunden, der bereit war, mir frische Milch für 20 ct. pro Liter zu verkaufen. Er ist mit mir zu meinem Haus gekommen und hat mir die Milch gegeben.
Ich habe ihn gefragt, ob er ein Handy hat, was er bejahte, sodass ich vorschlug, dass ich doch in Zukunft Milch per SMS bestellen könnte. Da sieht man, dass ich mich doch noch nicht 100%ig eingelebt habe, von einem etwa 50jährigen Bauern kann man natürlich nicht erwarten, dass er lesen kann...
Zum Glück ist Analphabetismus hier nicht so stigmatisiert wie in Deutschland, sodass er mir frei von der Leber weg erzählte, dass er Probleme mit dem lesen habe. Also beschlossen wir, dass ich ihn anrufe, wenn ich Milch brauche, nachdem er mich angerufen hat (er hatte seine Nummer nicht da). Leider hat er mich nicht angerufen...
Also hab ich gestern bei einem anderen Bauernhof gefragt, mir wurde gesagt ich solle kurz warten und so konnte ich zuschauen wie meine Milch gemolken wurde. So muss das sein! Und da die Milch nun wirklich frisch ist, konnte ich noch vor dem Kochen den Rahm abschöpfen und einen herrlichen Schokokuchen backen - ein ziemlich guter Ersatz für richtige Schokolade.


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Kommentare

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  1. Ernst Runge schreibt:

    Hallo Oliver,

    Endlich wieder ein Lebenszeichen.
    Zu deinem Milchmann Abenteuer habe ich folgendes zu berichten.
    Vor kurzem habe ich für meinen Sohn (Immob. Makler)
    Telefondienst gemacht,als mich der Stimme nach ein junges Mädchen anrief und Infos über eine Whg. haben wollte.Ich bat Sie doch die Immo Scout Nr. zu notieren,worauf Sie meinte ich soll Ihr eine SMS senden.
    Als ich sagte "das kann ich nicht" war es eine Weile ganz still,ungläubig,staunend hat Sie die Nr. dann notiert.Du siehst auch hier gibt es abenteuerliche Dinge.
    Viele Grüsse aus dem kalten München
    Ernst Runge


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