Weltwärts gen Tansania

- Oliver Wichert

Ministry of Jesus Christ

Dienstag, 7. Dezember 2010
Gerade standen zwei junge Herren vor meiner Tür. Eric und Chris. Ich hatte sie letztens am Tor getroffen. Integrationsbereit wie ich natürlich bin, habe ich nicht widersprochen, als sie meinten, dass wir uns unbedingt mal treffen müssten.

Anders als vielleicht in Deutschland üblich, war das kein leeres Versprechen.Ein Pastor und ein junger Mitarbeiter einer neuen Kirche hier in Omurushaka, wollten ein bisschen mit mir plaudern. Es folgte ein durchaus interessantes Gespräch, in dessen Verlauf sich mein Bild ihrer Glaubensgemeinschaft von „nichts Besonderes“, über „sektenhafte Teufelsaustreiber“ zu „scheinbar friedliche Missionare“ wandelte. „Ministry of Jesus Christ“ heißt diese mir bisher unbekannte Glaubensgemeinschaft, die in Tansania wohl durchaus verbreitet ist.

Während der Pastor nur Kisuaheli sprach, konnte der junge Mitarbeiter gut englisch, weshalb ich mich hauptsächlich mit ihm unterhalten habe.
Er ist in Uganda zur Schule gegangen und will demnächst in Tansania studieren, arbeitet jetzt ein bisschen bei der Kirche zwischendurch und meint damit Gutes zu tun.

Wie immer war das Interesse an Europa natürlich sehr groß. Er habe gehört, dass viele Menschen garnicht regelmäßig in die Kirche gehen würden. So kamen wir dann dazu, im wahrsten Sinne des Wortes über „Gott und die Welt“ zu reden.

Man müsse an Gott glauben. Warum er an Gott glaube? Ja wer habe ihn denn sonst gemacht. Ob er nicht an Darwins Evolutionstheorie glaube? Naja. Aber irgendjemand müsse ja am Anfang gestanden haben. Und außerdem gibt es ja auch den Teufel.




Du glaubst also, dass es den Teufel gibt? Natürlich gibt es den Teufel. Und die Geister. Der Pastor habe schon persönlich welche gesehen.
Interessant, sehr interessant. Wie sehen die Geister denn aus? Woran erkenne ich die? Ja also tagsüber sehen die genau aus wie normale Menschen, aber nachts, die Hexen und Zauberer, komplett nackt und komisch angemalt.
Und wenn sie ihre Kräuter auspacken sind sie unsichtbar und können durch Wände gehen. Sehr gefährlich, ich solle mich in acht nehmen.

Hm. Ich überlegte mir schon wie ich die beiden mittelfristig von der Hexenverbrennung abbringen konnte.
Doch auf meine Frage, was man denn macht wenn man solche Geister trifft, wurde mir nur geraten sich aus dem Weg zu gehen.
Nein so etwas würden sie nicht träumen. Es kämen ja auch Menschen in ihre Kirche und um zu beichten, Geister zu sein.

Langsam kommen wir der Sache mit der Hexenverbrennung näher.

Was wir dann machen? Wir sagen ok, das ist jetzt vorbei. Wir erzählen ihnen von der Bibel und heißen sie herzlich in der Gemeinschaft der Gläubigen willkommen.

Das hört sich ja durchaus vernünftig an. Es kommt mir der Gedanke, dass meine beiden Besucher vielleicht doch nicht komplett verrückt sind. Immerhin sind wir in Afrika, wo es durchaus noch Anhänger von Naturreligionen gibt. Vielleicht gibt es ja wirklich Gestalten die nackt und seltsam bemalt durch die Nacht laufen und mit Heilkräutern wedeln.

Und da diese Gestalten ja immer nur durch Wände gehen, wenn sie gerade unsichtbar sind, sind es vielleicht sogar ganz normale Menschen.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt

Sonntag, 28. November 2010
Adventskranz
Ich wünsche allen einen schönen ersten Advent!
Nach dem Pflücken, Zusammenbauen und Anstecken des Adventskranzes, dem Aufhängen einer Lichterkette und dem mehrmaligen Hören von „In der Weihnachtsbäckerei“ kommt selbst hier ein wenig Weihnachtsstimmung auf.

Grün, grün

Donnerstag, 25. November 2010
Die Mangos werden langsam reif, die Ananas sind lecker wie eh und je und ich fange an hier wirklich gut zu schlafen. Ich stehe wirklich nichts aus hier. Sogar mein Haus wird langsam ein wenig gemütlicher, mit ein paar Fotos und Bildern an der Wand. Mein Haus wird langsam zu meinem Zuhause.
Auch die Natur ist wirklich schön geworden hier. Grüner Boden, bunte Blumen und verschiedenste Bäume sorgen für durchaus abwechslungsreiche Landschaft.



Leider gibt es auch wieder mehr Getier. So wurde mir vorgestern meine Hängematte mit Bergpanorama von einer Ameisenstraße streitig gemacht, die in der Hängematte wohl eine prima Abkürzung zwischen zwei Bäumen gefunden hatte.
Die fiesen Malariamücken haben gefühlt auch ein wenig zugenommen. Gut, dass diese Mistviecher sich immer durch ein nervenaufreibendes Summen verraten, sodass die überwiegende Mehrheit noch unblutig zum Schweigen gebracht werden kann.
Seit ein paar Tagen leisten mir außerdem große grüne Grashüpfer Gesellschaft, die mich am Anfang durchaus erschrecken konnten, wenn sie zum Beispiel durch unpräzise Landung auf einer Wasserflasche, diese fast zum Umfallen brachten. Obwohl sie hier glaube ich als Delikatesse gelten, habe ich die toten Hüpfer, die sich beim mehrmals wöchentlichen Fegen (Wo zum Teufel kommt dieser ganze Dreck her?) sammeln, bis jetzt verschmäht und lieber in den Garten gefegt...

Nachdem ich in den letzten Tagen trotzdem öfter mal Magen-Darm-Probleme hatte, koche ich mein Trinkwasser jetzt wieder ab, anstatt auf den indischen Wasserfilter plus UV-Desinfektion durch die Sonne zu Vertrauen. Keine Ahnung, ob das am Wasser oder woran auch immer lag, jedenfalls bin ich jetzt wieder topfit.

Gestern Abend erreicht mich noch eine weitere gute Nachricht: Pascal, der im Moment zwei Monate Ferien hat, hat eine Arbeit gefunden. Er kann während der Zeit in einem Restaurant hier in Omurushaka mithelfen. Er und seine Familie brauchen das Geld dringend, nur so kann Pascal es sich überhaupt leisten, zur Schule zu gehen. Die letzten Wochen merkte man schon dass er ziemlich besorgt war ob er etwas finden würde, da die meisten Arbeitgeber lieber feste Angestellt bevorzugen. So kann er zwar die Ferien nicht bei seiner Familie sein, aber ich glaube er freut sich sehr.

Kleine Bemerkung zum Schluss: Wenn ich die Statistik richtig deute, lesen viele das Blog, aber nur ganz wenige gucken in die Fotos. Da ich nur einen kleinen Anteil der Fotos im Text integriere kann sich ein Blick auf die Foto Seite lohnen!

Regen, Regen

Mittwoch, 17. November 2010
Es ist ruhig hier im Blog, und auch in Omurushaka. Politik ist absolut kein Thema mehr, die Schüler werden nach den Prüfungen nach und nach in die Ferien entlassen und die meisten Menschen scheinen eigentlich guter Dinge zu sein.
Nach der viel zu langen Phase der Trockenheit hat es die letzten Tage zur Freude aller wirklich viel geregnet. Nun wünscht man sich jedoch wieder Trockenheit, da sonst die Bohnen ertrinken...



Da viele Pflanzen nur bei Regen ausgepflanzt werden können, wird nach dem verspäteten Auspflanzen nun auch die Ernte verspätet sein, sodass es voraussichtlich gegen Januar eine gewisse Nahrungsmittelknappheit geben wird. Diese wird wohl vor allem den ärmeren Menschen hier erhebliche Probleme bereiten. Das neue Schuljahr fängt an, das Schulgeld wird fällig und so sehen sich viele Familien gezwungen die Ernte, die sie eigentlich als Vorrat behalten müssten, ganz oder zumindest teilweise zu verkaufen.

Mich persönlich beschäftigt im Moment hauptsächlich mein Visum, welches wohl immer noch nicht fertig ist. Dennoch plane ich schon die Reise nach Dar-es-Salaam, ans andere Ende Tansanias, wo ich es abholen muss. Ich habe herausgefunden, dass es pro Strecke wohl doch nur 2 Tage Busreise sind und fantasiere schon über die westlichen Menüs der Luxushotels der Großstadt. Hab ich das Visum erstmal in der Tasche kann es endlich losgehen die mir zustehenden 45 Tage Urlaub auszunutzen: Berge erklimmen, Tiere bestaunen, andere Freiwillige besuchen und natürlich Strand und Meer - die Vorfreude ist doch die schönste Freude!

5 Jahre warten

Montag, 8. November 2010
So, die Aufregung der Wahl ist langsam wieder abgeklungen, die CCM hat selbst in unserer Region mit verhältnismäßig starker Opposition (angeblich) gewonnen.
Kurz nach der Wahl gab es noch ein wenig Aufregung, da die (für die CCM enttäuschenden) Wahlergebnisse nicht veröffentlicht wurden. So bildete sich vor der Polizei eine viele Stunden wartende Menschenmenge, die von dieser schließlich mit Tränengas auseinander getrieben wurde. Dies sorgte für einige Aufregung, vor allem in Kayanga. Malin, der eigentlich zu mir kommen wollte, wurde von seinen Vorgesetzten stark davon abgeraten, sich auf die Straße zu begeben.
Aber es ist wohl nichts wirklich schlimmes passiert und jetzt ist alles wieder friedlich.

Auch bei mir gibt es keine riesigen Neuigkeiten. Mein Visum ist angeblich immer noch nicht zur Abholung in Dar-es-Salaam bereit (3 Tage hinfahren, 3 Tage zurückfahren kommt auf mich zu...), aber das wird schon noch.
Die Aufgaben für den BWINF sind fertig, und mein Suaheli verbessert sich kontinuierlich.
Bei CHEMA werde ich wohl demnächst anfangen den Mitarbeitern „IT-Unterricht“ zu geben - angeblich bekomme ich bald eine Liste mit Themenwünschen.




Nebenbei habe ich angefangen einem tansanischen Jungen ein wenig Nachhilfe zu geben, da in Tansania jetzt die „Prüfungssaison“ beginnt.
Er stand eines Tages vor meiner Tür und bat mich, mit mir reden zu können, er wäre schon ein Freund meines Vorgängers gewesen.
Zunächst sehr skeptisch bat ich ihn herein, doch er entpuppte sich als durchaus ganz nett. Es ist natürlich sehr schwierig, da er sehr sehr arm ist und ich hier sehr reich. Er wohnt alleine in einem Häuschen etwas außerhalb von Kayanga, dort wo seine Eltern wohnen gibt es keine Secondary School. Seine Eltern sind Bauern und können nicht für ihn sorgen, sodass er versucht sich mit Gelegenheitsarbeit über Wasser zu halten. Ich war jetzt zwei mal bei ihm zum Essen, er war auch bei mir (und hat das zweite Mal in seinem Leben Spaghetti gegessen) und wir haben bis jetzt zwei Einheiten Physik gemacht. Man scheint wirklich die Auswirkungen des reinen „Frontalunterrichts“ ohne Beteiligung der Schüler zu merken, es wird alles streng nach Schema gemacht, Aufgaben wo auch nur ein bisschen Kreativität verlangt wird sind quasi unlösbar.




Die letzten beiden Wochenenden habe ich bei Malin verbracht, und wir sind beide Sonntage 25km+ gelaufen. Sonntags halb 7 Wecker, rein in die Sportschuhe und 3 Stunden laufen... Schlimmer als Frühsport in Kiel, aber immer noch deutlich angenehmer als tagsüber in der prallen Sonne!
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